Berufs-Bilder № 5

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17. Februar 2026

Künstlerin Verena Kandler –
Kreative Wegbegleitung zwischen Mut und Selbstreflexion

Kulturelle Arbeit ist auch Beziehungsarbeit

Es war die richtige Jahreszeit – bei winterlichen Temperaturen und zuhause eingekuschelt – Verena Kandler nach der Begrüßung durch Nathalie Krall und den einführenden Worten von Stefan Borchardt auf ihren beruflichen Pfaden und Erkundungen zu folgen. Und es war genau das richtige Thema für unsere 50. Monatsveranstaltung und die 5. Ausgabe unserer “Berufs-Bilder”, denn dieser Weg führte zunächst zu uns selbst: Wir alle sollten innerhalb von fünf Minuten einen Baum zeichnen. Einige konzentrierten sich auf die Gestalt des Baumes, andere nutzten die Zeit, um ganze Landschaften um den Baum herum zu skizzieren.

Verena Kandler hat als Künstlerin, Kunsthistorikerin und -pädagogin einen vielschichtigen Zugang zur Kunst, den sie uns sowohl theoretisch, als auch – mit dieser Übung – ganz praktisch näher brachte. Sie nutzt die Symbolkraft einfacher Bildelemente – wie hier einen Baum als Symbol und Reflexionsgegenstand, der die aktuelle Befindlichkeit des Menschen zu spiegeln vermag. Diese Art von zeichnerischem Zugang zu einem selbst wird häufig in der Kunsttherapie verwendet, deren Methoden sie nutzt und mit freien künstlerischen Experimentieren verbindet.

Der Austauschpart ist mir immer besonders wichtig und dass die Kunst einen Raum eröffnet, um über das zu sprechen, was sichtbar geworden ist – auch über Unbewusstes.
(Verena Kandler)

Gerne verwendet sie hierzu die Collagetechnik, welche sie zunächst für sich selbst mangels Zugang zu hochwertigen Malmitteln entdeckt hat, nun vielseitig anwendet und – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit – weitergibt. Nachhaltigkeit ist für sie ebenso ein Thema in Bezug auf Verwendung von Ressourcen für die künstlerische Praxis, wie auch im Hinblick auf die Tradierung und Transformation von Werten.

Vorgefertigte Bilder aus Zeitschriften erhalten in Verbindung mit Malerei bei ihr und in ihren Seminaren eine neue, der Persönlichkeit der Kunstschaffenden angepasste Symbolkraft. Sie werden anschließend mithilfe von Verenas Expertise analysiert, und die Teilnehmenden erfahren so vielleicht sogar überraschende Dinge über sich selbst. Auf diese Weise ist Verena durch ihre Methoden, Kurse und Coachings gleichzeitig eine Wegbegleiterin und eine Türöffnerin zu neuen Zugängen – zur Kunst und zu sich selbst.

In der anschließenden Diskussion wurde sie nach den Grenzen zwischen Kunsttherapie und Kunstpädagogik befragt, die sie als fließend bezeichnete. Entscheidend ist für sie vor allem ein freier, kreativer Zugang zu sich selbst, unabhängig vom therapeutischen Ansatz.

Sie gab uns auch einen sehr persönlichen Einblick in ihren eigenen Werdegang und betonte, dass sie keine Referenzen in ihrer universitären Ausbildung hatte, sondern sich Wege und Strukturen allein suchen musste. Verena betonte, dass sie durch die Selbstständigkeit unabhängig von vorgegebenen Strukturen arbeiten und ihre Workshops besser den Gegebenheiten anpassen kann. Ihre Angebote wenden sich an Firmen, Einzelcoachings oder bieten auch Teilnahmemöglichkeiten in freien Gruppen an. Als wichtige Eigenschaften für ihre Arbeit nannte sie Mut, Selbstreflexion, Ehrlichkeit und die Fähigkeit, sich selbst zu entlarven.

Wir jedenfalls hatten viel Spaß bei der Analyse unserer Bäume, die mehr oder weniger archaisch und expressiv alle in sommerlicher Pracht dastanden und – manchmal an Bächen angrenzend, zwischen Wiesen und Hügeln eingebettet oder unter Laubkronen mit Bänken versehen – zum Verweilen einluden. Der Sommer kann kommen, wir sind bereit! 🌳

Die Veranstaltung wurde von Dr. Stefan Borchardt (Kunsthistoriker, Worpswede) moderiert.

Über die Autorin

Urte Ehlers, M.A.

Urte ist freiberufliche Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin. Aktuell vermittelt sie Kunst an Privatsammlungen und im Europäischen Patentamt, mit einem Schwerpunkt auf Kunstvermittlung für Kinder. Im ArtVenture Club e.V. stärkt sie als Liaison für Politik & Zivilgesellschaft den Dialog zwischen den Anliegen der Kunstweltakteur:innen und gesellschaftspolitischen Diskurse, um gemeinsame Impulse für eine gerechtere und nachhaltigere Kunstwelt zu setzen.